Focus

Reidar Jensen und Rómer Avendaño brillieren in Bad Honnef

Ihr Leben ist auch ihr Programm. Singer und Songwriter Jensen, Norweger, mit einer Deutschen verheiratet, Globetrotter, ehemaliger BWL-Student und Manager, seit vierzig Jahren on the road, hat viel erlebt. Und das findet sich in seinen Songs wieder: Bankenkrise, Entlassung, Arbeitslosigkeit („No Credit“), Klimawandel, Terrorismus, fake news („Do you see a good world where people can feel free?“), aber eben auch Beziehungsarbeit, Liebe, Partnerschaft („What will you say when I leave you?“) – und nicht zuletzt: der tägliche Kampf ums Überleben, um Sinn und Zukunft. „The name of the game – the enterprise democracy“. Der Einzelne als Schachfigur in diesem großen Spiel, an dessen „Ende ein Selbstmord stehen könnte – doch die Aktienkurse steigen weiter …“.

Die ernsthaften Texte finden in seiner Musik – der akustischen Gitarre und seinem prägnanten Bariton – eine adäquate Korrespondenz. Geprägt durch Liedermacher wie Dylan, Donovan, Cash, Reeves u. a., gefühlt auch durch Verwandtschaften mit Wecker, Wader, Mey, entfaltet das Duo Jensen/Avendano (er ein studierter Musiker und Gitarrist aus Venezuela, seit 23 Jahren musikalisch auf der Reise, ein wahrer Meister seines Fachs) ein Potpourri aus Balladen, Rock- und Pop-Gemälden, Blues, Country und Folk-Musik vom Feinsten. Selten gehörte Riffs („Make him kill“), unglaubliche Harmonien und Klänge („For her“, „Summer Storm“), wie sie wohl nur auf einer Gitarre möglich sind, virtuos vorgetragen und dennoch bescheiden und sympathisch präsentiert („“Exit“, „My destiniy, my life“).

Mit „Pick up my hat“ gelingt dem Duo eine reizvolle musikalische Symbiose im Umgang mit nervigen Situationen und Personen, und überhaupt ist der Abend eine stimmungsvolle Melange aus Lebens- und Liebesliedern („Before your life is done“), Protestsongs und einzelnen Gitarren-Soli („Flamenco“).

Das Publikum im hautnah-Keller (Bergstrasse 21 in Bad Honnef, dem Zeughaus der Löstigen Geselle) war begeistert: „genial“, so lautete ein Zuruf, und so verwunderte es niemanden, das es mehrere Zugaben gab („My destiny is clear“, „For her“). (H.G.)

Vorheriger ArtikelNächster Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

X